Neue Anforderungen an Klassifizierung, Überwachung und Bereitstellung von Wertpapierstammdaten – und wie Grand Central die Integration in bestehende Anwendungen unterstützt.
Mehr Wettbewerb – und neue Aufgaben hinter den Kulissen
Mit dem Start des staatlich geförderten Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027 verändert sich der Markt für private Altersvorsorge. Banken, Onlinebroker und digitale Anbieter können neue Vorsorgeangebote entwickeln und damit langfristige Kundenbeziehungen aufbauen. Neben Fragen der Förderung, Produktauswahl und Konditionen entsteht allerdings ein erheblicher Anpassungsbedarf in den Fachprozessen und der IT.
Denn bevor ein Wertpapier in einem geförderten Depot angeboten oder gehalten wird, muss anhand der jeweils geltenden Anforderungen geprüft werden, ob und unter welchen Voraussetzungen es für das betreffende Produkt in Betracht kommt. Diese Beurteilung ist keine einmalige Angelegenheit: Maßgebliche Instrumenteneigenschaften können sich im Zeitverlauf verändern.
Von der Produktauswahl zur laufenden Überwachung
Für die Institute ergeben sich daraus mehrere miteinander verbundene Aufgaben:
- Anlageuniversum aufbauen: relevante Instrumente identifizieren und anhand definierter Merkmale selektieren.
- Produktmerkmale einordnen: Anlageform, Risikoklasse und weitere Merkmale für den jeweiligen Anwendungsfall berücksichtigen.
- Änderungen nachvollziehen: aktuelle Daten und historische Gültigkeitszeiträume für die laufende Überwachung nutzen.
- Fachanwendungen versorgen: benötigte Informationen für Beratung, Produktmanagement, regulatorische Prozesse und Reporting bereitstellen.
Die fachliche Entscheidung, ob ein Instrument im konkreten Kunden- oder Produktkontext zulässig ist und ob eine Maßnahme erforderlich wird, verbleibt beim jeweiligen Institut und seinen zuständigen Anwendungen.
Neue Selektionsdaten des WM Datenservice
WM Datenservice hat in der Kundeninformation K20 vom 6. Oktober 2026 die „Selektionsdaten – Altersvorsorge“ (SEL-A) beschrieben. Das Datenangebot umfasst insbesondere neue Kennzeichen für die Zuordnung von Finanzinstrumenten zu gesetzlich vorgesehenen Anlageformen. Hinzu kommen historische Informationen und ergänzende Wertpapierstammdaten.
Zu den in K20 beschriebenen Merkmalen gehören die Zuordnung zum Altersvorsorgedepot (GD665C), die Zuordnung zu Standarddepot-Anlageformen nach Risikoklassen (GD665D und GD665E), deren Historien (GV9X6 bis GV9X8) und Informationen zur Value-at-Risk-äquivalenten Volatilität (GV9X9). Ergänzende Daten betreffen unter anderem ISIN, Instrumentenart, Produktgruppe, Risikoindikator und Vertriebszulassung.
Die historische Zuordnung ist besonders relevant: Sie ermöglicht es, nicht nur den aktuellen Status eines Instruments zu betrachten, sondern auch zu erkennen, in welchem Zeitraum eine Kennzeichnung galt. Nach WM-Angaben ist die börsentägliche Bereitstellung vorgesehen; der Go-live für SEL-A ist für den 29. Oktober 2026 angekündigt.
Wichtig bleibt: Die Kennzeichen werden regelbasiert aus verfügbaren WM-Daten abgeleitet. Fehlende Informationen können dazu führen, dass ein grundsätzlich geeignetes Instrument nicht gekennzeichnet wird. Eine eigenverantwortliche fachliche und regulatorische Prüfung wird dadurch nicht ersetzt.
Grand Central verarbeitet die neuen Selektionsdaten
Grand Central von Intalus verarbeitet die neuen WM-Selektionsdaten für das Altersvorsorgedepot. Die Angaben lassen sich gemeinsam mit den übrigen Wertpapierstammdaten zentral verwalten, individuell selektieren und für angeschlossene Anwendungen aufbereiten.
Die Bereitstellung richtet sich nach den technischen Anforderungen des jeweiligen Instituts: beispielsweise als Datei, über einen Webservice oder durch direkte Übertragung in eine kundeneigene Datenbank. Dadurch können vorhandene Fachanwendungen auf die benötigten Daten zugreifen, ohne selbst den gesamten WM-Datenbestand verarbeiten zu müssen.
Praxisbeispiel: Ein Anlageuniversum aufbauen und aktuell halten
Denkbar ist beispielsweise, dass ein Institut zunächst ein Anlageuniversum für das Altersvorsorgedepot aufbaut. Grand Central stellt dafür die relevanten WM-Daten und Selektionsmerkmale bereit. Fachanwendungen können auf dieser Basis prüfen, welche Instrumente in das jeweilige Angebot aufgenommen werden sollen. Ändern sich später maßgebliche Merkmale eines Instruments, können die aktualisierten Informationen erneut an die angeschlossenen Systeme übergeben und dort für Überwachung, Bewertung oder Reporting genutzt werden.
Eine Datenbasis für unterschiedliche Prozesse
Ein zentraler Vorteil besteht darin, dass Daten für verschiedene Zwecke nicht mehrfach und unabhängig voneinander aufbereitet werden müssen. Ein Institut kann beispielsweise dieselbe Datenbasis für die Selektion von Instrumenten, die Beobachtung relevanter Änderungen und die Informationsversorgung unterschiedlicher Fachbereiche nutzen. Auswahl, Ausgabeformat und Übertragungsweg können an den konkreten Bedarf angepasst werden.
Das Altersvorsorgedepot ist damit ein anschauliches Beispiel für eine weiterreichende Entwicklung: Neue regulatorische Anforderungen schaffen zusätzliche Datenbedarfe. Wer vorhandene Wertpapierstammdaten flexibel verfügbar machen kann, muss dafür nicht jedes Mal eine neue, isolierte Datenstrecke aufbauen.
Fazit: Neue Anforderungen, vorhandene Infrastruktur
Für die Einführung des Altersvorsorgedepots kommt es nicht allein auf das Produktangebot an. Auch die Selektion, Aktualisierung und Weitergabe der relevanten Wertpapierdaten müssen zuverlässig funktionieren. Die neuen Selektionsdaten von WM Datenservice schaffen dafür zusätzliche fachliche Grundlagen.
Grand Central ermöglicht es, diese Daten zusammen mit dem bestehenden WM-Datenbestand zu verarbeiten und bedarfsgerecht in die IT-Landschaft der Institute einzubinden. So kann die Umsetzung neuer Datenanforderungen an bestehenden Schnittstellen und Prozessen ansetzen.
Sie möchten die Datenversorgung für das Altersvorsorgedepot in Ihre Anwendungen integrieren? Sprechen Sie mit uns über eine passende Selektion und Bereitstellung der WM-Daten.
Quellen
- WM Datenservice, Kundeninformation K20 vom 06.10.2026: „Reform der geförderten privaten Altersvorsorge … – neues Produkt Selektionsdaten (SEL)“, insbesondere S. 1–7 und 12 (Kundeninformation; Nutzungsbeschränkungen beachten).
- Bundesministerium der Finanzen, „Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge“ (05.05.2026): https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/reform-der-privaten-altersvorsorge.html
- PwC Deutschland, „Altersvorsorge 2.0 – Von der Strategie zur Umsetzung“ (26.03.2026): https://blogs.pwc.de/de/fs-consulting/article/253828/

